Brauchtum in Bayern entdecken - Rauhnachtszeit
Rauhnächte und Brauchtum in Bayern verstehen erleben begeistern

Walpurgisnacht

Walpurgisnacht – Rauhnacht – Freinacht

Die Walpurgisnacht, die Freinacht- so wird die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai auch genacht. Die untriebige Nacht, in der die Unruhe zu Hause ist und das Chaos regiert. Im Bayerischen Wald wird diese Nacht als Rauhnacht bezeichnet. Hier haben die  Hexen ihren höchsten Festtag und es wird der Hexensabbat feiern. Bis heute glaubt man im Bayrischen Wald daran, dass sich die Arberhexen am Gipfel treffen und dort zusammen feiern und tanzen.  Wehe dem, der diese Feier stört. Der Glaube daran ist so groß, dass die einheimischen Waidler den Arbergipfel bis heute in dieser Nacht meiden. Man sagt, dass in  dieser Nacht die Hexen mit ihren Besen durch das ganze Land fliegen und  schauen, wass der Mensch nach dem Abendläuten macht. Aufpassen muss der, welcher sich tatsächlich aus dem Hause wagt.

Interessanterweise findet der größte Berg des Bayerwaldes, der Arber bereits bei den Kelten Beachtung. So sagt man, dass der Arber ein heiliger Berg für die Kelten gewesen sein soll, da dort ihre dreifaltige Göttin residierte. Vielleicht ist es wahr, wer weiß das schon. Sicher ist, dass die  Kelten schon lange vor Christi Geburt im Donauraum angesiedelt waren. Wer die Gelegenheit hat, auf die Hochzell und Arber zu gehen, findet dort eine ganz besondere Stelle. Sie heißt das „steinerne Tor“ und man sagt, wer dieses durch schreitet, dessen Seelenheil sei unbeschadet bis in die Ewigkeit.

Ein Glaube, der bis heute anhält und der auch durch die Christianisierung nicht auszutreiben war. Zumal es viele unerklärliche Geschehnisse gibt, die von einer besonderen Magie des Ortes zeugen. Kranke Menschen und Tiere, Verbannte und Ausgestoßene sollen sich dort erholt und gestärkt wieder gekommen sein. Man berichtet von Unerklärlichen, was Menschen gespürt haben wollen und was sich mit logischen Worten nicht erklären lässt. Hier am Arber kann so mancher heute noch erfahren, dass es mehr auf dieser Welt gibt, als man mit Augen sehen kann. Auf dem Arber war und ist bis heute eine ganz besondere Magie zu spüren, welche auch die Kirche trotz aller Bemühungen den Menschen nicht vergessen lässt. Vermutlich wurde deshalb einst aus der gütigen dreifaltigen Göttin der Kelten die schreckliche Arberhex´.

In Bayern sollte man in dieser Nacht, welche auch gerne Wolpernacht heißt, alles Lose und Freistehende ins Haus räumen. Denn die Jugend macht sich gerne einen Spaß daraus, alles zu verstecken und im Dorf zusammen zu tragen. Auch werden gerne sogenannte "Steigerla" gesäz, Kalkstriche auf dem Teer, die heimlich Verliebte miteinander für alle sichtbar miteinander verbinden. Wer das ganze Jahr über Schalk im Nacken hat, wird in dieser Nacht oft stolzer Besitzer von sogenannten "Verserln" vor der Haustür. So mancher lässt hier seinen Unmut Luft und reimt die vermeintlichen Schandtaten mittels Kalk auf die Straßen. Ebenfalls für alle sichtbar. So mancher hat dann am Morgen viel zu schrubben und zu säubern. Häuser werden in der Freinacht gerne mit Toilettenpapier verziert und auch das Maibäumchen, welches man der Geliebten vor die Haustür stellt, wird immer öfters wieder praktizert. Der Schandbaum kommt ebenfalls so manches mal zum Einsatz und natürlich wird auch das Maibaum stehlen in vielen Ort noch zelebriert. Die Kelten feierten in dieser Nacht ja das Fest Beltane, das den Beginn des Sommerhalbjahres symbolisierte. Beltane wird auch mit „helles Feuer“ übersetzt, was sich bis heute in den Maifeuern vielerorts wieder gibt.

Autor: Claudia Zink/ Bildquelle: Pixabay