Brauchtum in Bayern entdecken - Rauhnachtszeit
Rauhnächte und Brauchtum in Bayern verstehen erleben begeistern

Die bluadige Luz(ier) – Luziernacht- die Frau des Schreckens

Es ist der 13. Dezember. Ein Tag, an dem sich einigen Orten Bayerns noch heute Männer verkleidet als schrekliche Alte auf den Weg machen um Kinder und Frauen zu erschrecken. Es ist der Tag der blutigen Luziier, auch gerne die Luz genannt. Immer mit einem großen Hut bekleidet, an dem wildes Geäst hängt, mit Moss bewachsen, ein langes, lutverschmiertes Messer in den Händen schreitet sie des Orts entlang. Mittendrin bleibt sie stehen, laut schleift sie ihr Messer an einen Wetzstein und schielt mit wachsamen Augen umher. Der Luz so sagt der Volksmund, entgeht wahrlich nichts. Sie ist auf der Suche nach Untriebigen, Ungläubigen, welche die Rauhnachtszeit nicht in Ehren halten.

Was steckt hinter dieser Sagengestalt?

Hierzu muss man wissen, dass bis ca. zum Jahre 1582 der 12. auf den 13. Dezember als längste Nacht des Jahres galten. Erst dann wurde erkannt, dass der damals gültige julianische Kalender nicht stimmt. Durch Papst Gregor VIII. stellte man dann auf den gregorianischen Kalender um, so das sich die  längste Nacht vom 20. auf den 21. Dezember verschob. Der Luz wurde also ihre Nacht geraubt.

Heute erinnern vor allem in den nordischen Länder wie Schweden oder Norwegen Festlichkeiten noch daran, dass an diesem Tag einst die längste Nacht war. Dort wird jedoch im Gegensatz zu uns die Luzia als die Lichtbringerin gefeiert, denn auch hier wurde im Zuge der Christianisierung der Feiertag einer katholischen Heiligen gewidmet. Es ist somit der Festtag  der heiligen Luzia von Syrakus. Die katholische Kirche hat also mit diesem Feiertag erneut einen alten Brauch der Ahnen ersetzen. Damit dies alles auch positiv aufgenommen wird, ist dieser Tag bis heute in den Nordländern sowie auch in Spanien mit schönen, gabenreichen Traditionen verbunden. So kann man diesen Tag in Spanien etwa mit den uns bekannten Nikolausbrauch vergleichen.

Aber warum kennen wir die bluadige Luz?

Die Kelten feierten an diesen Tag einst übrigens den Sonnegott Lugh, es war das Fest der Wintersonnenwende. Dieser Brauch war auch durch die katholische KIrche kaum zu brechen. Egal was man versuchte, die Menschen einst hielten vielerorts im Stillen an ihren alten Göttern und alten Wesen fest. Allerdings war das Leben einst nicht einfach und daher lebten viele Menschen in ständiger Armut und Angst. Man klammerte sich an jeden heilversprechenden Strohhalm, war oft naiv und wankelmütig.  Es war daher sehr leicht für die Kirche mit der Angst zu spielen, diese zu fördern und so die Menschen zumindest offiziell zur Einkehr zu bewegen. Die Kirche verpasste salopp gesagt, vielen heidnischen Göttern ein schlechtes Image. Sie bezeichneten sie als böse und untriebig und als wenn das nicht genug wäre, nagte dann auch irgendwann  das schlechte Gewissen vieler Menschen. Denn man war sich schon klar, dass man eigentlich Götterverrat beging und als das verleugnete, mit dem man eigentlich aufgewachsen ist.

So kam es dann irgendwann dazu, dass man sich erzählte, dass sich die alten Götternun  von den Menschen betrogen fühlten. In lauen Nächten hörte man das Fass des Zorn und des Hass bodeln und die Göttern waren nur  darauf aus, Rache zu üben....Bis heute hält diese Angst vielerorts an. Daher sei jeder gewarnt, der in den Rauhnächten das Haus verlässt. Im Bayerischen Wald ist die Luziernacht  einer der großen und besonders bösen Rauhnächte, in welcher es ratsam ist, das Haus nach dem Abendläuten und vor dem Morgenläuten nicht zu verlassen.

Autor: Claudia Zink /// Bildquelle: Fotolia- Foto Frank