Unsere Bayerntour - Rauhnacht.bayern
Bayrisches Rauhnachtsbrauchtum

Die Nacht des bluadigen Dammerl 

- Buchautor und Heimatforscher Sepp Probst erzählt:

Fotograf: Kusel- Fotolia.com

Vom 20. auf den 21. Dezember ist die Dammerlnacht, sie zählt im Bayerischen Wald zu den fünf größten Rauhnächten. Diese Nacht ist die längste des Jahres; es ist ratsam, hier nach dem Abendläuten und vor dem Morgenläuten das Haus nicht zu verlassen. Denn dann geht der bluadigeDammerl um.

Die Männer des Dorfes machten sich einen Heidenspaß daraus, einen der ihren als diese Schreckgestalt zu verkleiden und den anderen Dorfbewohnern das Fürchten zu lehren. Sie verkleideten ihn mit Ziegenfellen und verdeckten sein Gesicht. Der Dammerl war mit einer schweren rostigen Kette ausgestattet, womit er fürchterlich rasselte, wenn er durchs Dorf ging. Die Kinder verschwanden unter den Küchentisch, wenn der Dammerl in die Stube trat. Vor lauter Zorn, dass er die Kinder nicht erwischte, schlug er mit der schweren Kette auf den Tisch, so dass die Kinder noch mehr erschraken. Oft wurde der Dammerl anstatt der Kette mit einem großen Hammer, einem Schlegel, ausgestattet, mit der er an die Haustüre schlug, wenn ihm nicht aufgemacht wurde.

Neben der Kette oder dem Hammer trug der bluadigeDammerl oft einen blutigen Sauhaxn bei sich, mit dem er die Haustüren bestrich, oder den er, bevor er in die Stube trat, zuerst durch die Türe schob. Man kann sich lebhaft vorstellen, welche Angst die Kinder bekamen, wenn sie in der Stube saßen, es klopfte und polterte und was sie dann als Erstes sahen, war ein abgetrennter blutiger Sauhaxn.

In Bayern ist der 21. Dezember der Namenstag des heiligen Thomas, so wird dieser Tag auch Thomastag genannt. Der Thomastag galt als guter Schlachttag; hier wurde der Weihnachter geschlachtet und ein alter Spruch dazu lautet:

Der Dammerl will Blut sehen, er zieht es der Sau aus dem Körper.“

Es ist tatsächlich so überliefert, dass der Dammerltag ein sehr guter Schlachttag ist, da hier die Tiere am besten ausbluten.

Wie kam es zu der Rauhnachtsgestalt des bluadigenDammerls?

Die Germanen beteten an diesem ihren Donnergott Donar oder auch Thor genannt an, dieser war der Beschützer der Menschheit und besonders der Frauen. Da die katholische Kirche den alten germanischen Glauben abbringen wollte, legten sie den Namenstag eines Heiligen auf diesen Tag, der so ähnlich wie der germanische Gott klang. So wurde aus dem Tag des Thors der Thomastag. Im Bayerischen sagt man zum Thomas oft Thommerloder gar Dammerl, da sich die alten Waidler schwer vom Glauben abbringen ließen. Um sie daran zu hindern, trotzdem an diesem Tag ihren alten Gott zu feiern, wurde die Legende des bluadigenDammerl erfunden, der in der Nacht sein Unwesen treibt, damit sie ihre Häuser nicht verlassen.

Aber vielleicht ist uns auch der alte germanische Gott gezürnt und lauert den vom alten Glauben abgefallen Menschen in dieser Nacht auf, um sich für ihren Verrat zu rächen.