Brauchtum in Bayern entdecken - Rauhnachtszeit
Rauhnächte und Brauchtum in Bayern verstehen erleben begeistern

Rauhnachtsfiguren - regionale Geschichten

Die Rauhnachtszeit- eine Zeit in der eigene Erinnerung, Träume, Vorstellungen aber auch Sagen und Wahrheiten zusammen fließen und sich zu einem mystischen Reigen vereinen. Wo ist der Grad zwischen Wahrheit und Sage, wo findet man sich selbst wieder, wo beginnt der Traum?! Die Rauhnachtszeit verschleiert den Weg zwischen Realität und Illusion. Brauchtümer und Rituale werden gelebt, vieles was eigentlich unsinig ist gewinnt an Bedeutung.

Von Region zu Region unterschiedlich, möchten wir Ihnen hier gerne einige Rauhnachtswesen und deren Sagen vorstellen. Natürlich können wir keine Garantie für die Richtigkeit aussprechen, denn von Region zu Region erzählt man sich oft unterschiedliches. Vielleicht erkennen Sie den einen oder anderen Charakter, vielleicht unter einem anderen Namen. Verraten Sie uns diesen, gerne ergänzen wir unsere Texte.


Rauhnachtswesen- Rauhnachtscharaktere:

Die Drud

Die Drud, die druckt. Man sagt eines der schrecklichsten Rauhnachtswesen sei die Drud. Eine Frau, eine verstoßene Hexe, die in den Rauhnächten die Menschen heimsucht. Pferde können sie spüren, gegen sie soll nur ein reines Gewissen schützen. Gerade in den Zwölfernächten soll sie in Erscheinung treten und sich bei den Schlafenden auf den Körper setzen. Man hat Alpträume, man hat das Gefühl nicht frei atmen zu können. Man sagt, die Drud ist das schlechte Gewissen.

Schnabelspecht

Frau Schnabelspecht ist eine Rauhnachtsgestalt, die sich am Weihnachtstag in der nördlichen Oberpfalz aufhält. Dort geht sie im Dorf um und fordert von den Bewohnern ihren Tribut. Speisen, Gaben- sie möchte ihr Essen haben. Gibt man ihr das nicht, dann wetzt sie ihre Sichel und beschwört das Unheil herauf.

Bilmesschneider 

Die Legende sagt, es gibt einen Bösen, der auf einem schwarzen Geißbock sitzt und durch die Felder reitet, wenn der Mensch zu den Rauhnächten nicht achtsam war. Er soll die Ernte des Bauern vernichten. Immer wieder berichten Menschen von eigenartigen Gassen in Feldern, die man sich nicht erklären kann. Es sind die Wege des Bilmesschneider, der aus den Lüften kommt und durch das Feld reitet, das Getreide nieder wälzt.

Geisterhund

Der schwarze Geisterhund tritt in den Rauhnächten oft an kleine Dörfer heran und sucht die Nähe des Menschen. Man sagt, er wacht darüber das die Menschen das Gebort der Abendruhe einhalten. Oft soll er schon von Männern gesehen worden sein, die von der Arbeit oder auch der Gastwirtschaft nach Hause kehren. Egal wohin sie blicken, immer wieder begegnen sie den Augen des Schwarzen Hundes, solange bis sie zu Hause sind. Man darf den Hund nicht verjagen, man darf keinesfalls nach ihm treten, denn das bringt Unglück.


Haarhausweib

Das Haar-Hausweib ist eine uralte Hexe, die sich der Legende nach noch heute in alten verlassenen Häusern des Bayerwaldes umher treiben soll. Fast jede Region hat eine solche Alte, denn früher standen in den Wäldern viele verlassene Häuser, deren Dächer aus Flachs waren. Die Menschen dort waren oft eigenartig, von vielen gemieden. Man sagt, wenn diese Menschen dann von Erden gingen, zogen in diese Häuser oft Hexen ein.

Hobagoaß

Als Hobagoaß wird ein beinahe 2 meter hohes Wesen bezeichnet, dass einer Ziege nicht unähnlich ist. Man sieht sie kaum, sie ist ein sehr zurückhaltendes Wesen der schlimmsten Rauhnächte. Der Legende nach sollen ihre Augen glühen, ihre Vorderbeine menschlichen Armen ähnlich sein. Man fürchtet ihr Schreien, ihr Meckern. Denn wer es hört, dem steht ein Abschied bevor.


Mehlweiberl

Die Legende besagt, dass es einst vor vielen, vielen Jahren eine alte Mühle gab in der ein fleißiger Mühler täglich seiner Arbeit nach ging. Er war frohen Herzens und gewohnt hart zu arbeiten. Seiner Familie ging es gut. Doch eines Tages, man kann nur erahnen warum dies passierte war all dies seiner Frau nicht mehr genug. Sie soll einen Pakt mit dem Bösen geschlossen haben, der Neid, die Habgier soll sie ergriffen haben. Der Mühler starb geschwächt von seinem Ehrgeiz, der Frau alles recht zu machen. Seitdem soll sie als Mehlweib in alten Mühlen umher gehen. Getrieben vom schlechten Gewissen.

Lange Agnes

Eine schreckliche Sagengestalt im tiefen Bayerwald, die an den Flüssen und Seen zu Hause. ist. Wer sie sieht, der soll achtsam sein. Denn sie lockt mit ihren langen Haaren, sitzt schüchtern am Uferrand und wäscht sich dort. Wer sie anschaut, wer sie anspricht dem soll sie mit Manneskräften in das Wasser werfen und gnadenlos unter Wasser drücken.



Katzenhexen

Man sagt, in den Rauhnächten soll man nach Abendläuten keine Katzen mit nach Hause nehmen. Denn Katzen sind oft verzauberte Hexen, die mit Anmut um die Beine streichen, stets auf der Suche nach einem Menschen dessen Seele sie in Sünde treiben können. Ist die Rauhnachtszeit dann vorbei, hinterlassen die Geisterkatzen oft einen Schatten in der Wohnung und man spürt allgegenwärtig ein Unwohlsein.



Rauwuggl

In den Rauhnächten soll es der Sage nach bei besonders frommen Dörfern die Rauhwuggerl geben. Kleine Wesen, die sich furchtlos vor die Menschen stellen, mit denen sie seit Jahrzehnten zusammen leben. Der Legende nach soll sogar das Wilde Heer sie fürchten, denn sie können besondere Magie einsetzen. So spinnen sie binnen Sekunden ein Netz, in dem sich die wilde Jagd verfängt. Oft sieht man die Rauwuggerl leider nicht mehr, denn sie ziehen in der schnelllebigen Zeit immer öfter von dannen. 








Texte von Claudia Zink