Brauchtum in Bayern entdecken - Rauhnachtszeit
Rauhnächte und Brauchtum in Bayern verstehen erleben begeistern

Aus der Kuchl erzählt- Genuss zur Rauhnachtszeit

Warum gibt es bestimmte Speisen zur Rauhnachtszeit ?

Die Rauhnächte waren und sind auch heute noch ein Fest der Familie. Seit jeher trifft man sich, seit jeher speist und geniesst man an diesen Tagen zusammen. Waren es früher die alten Feiertage unserer Urahnen, so sind es heute eben die kirchlichen Feiertage die uns zusammen kommen lassen. Da diese vermehrt auch in den kalten Wintermonaten auftreten, trifft man gerade zu den klassichen Rauhnächten vermehrt zusammen. 

Natürlich gibt es dabei dann auch viele Speisen, die schon längst Tradition sind und die mittlerweile einfach fest dazu gehören und deren Bedeutung/Hintergrund wir oft gar nicht hinterfragen. Denn die gab es einfach schon immer. Wir möchten Ihnen hier gerne einige Speisen vorstellen, die in den Rauhnächten vielerorts angeboten werden und auf die man sich vielleicht auch das ganze Jahr freut. Denn  Essen und Trinken besitzt ja nicht nur einen sättigenden Aspekt. Sondern Genuss birgt auch immer Wohlbefinden und Erinnerung. Wer erinnert sich nicht gerne an den  Klassiker der Wiener mit Kartoffelsalat am Hl. Abend? Das erste süße  Allerheiligenspitzl, bei dem man heimlich die Rosinen raus gepult hat- nichtsahnend, dass man sie als Erwachsener tatsächlich essen wird. Oder auch an die erste Rauhnachtsnudel, die man sich vor Kälte zitternd erbettelt hat und die man dann in heißen Kakao tunkte- stolz, weil man endlich das alte Brauchtum mitmachen durfte.

Vielleicht kennen Sie selbst die eine oder andere Speise, die einfach immer schon präsent war. Vielleicht kennen Sie aber so manches noch nicht. Denn gerade traditionelle Speisen sind oft auch regional abhängig und kaum über die Grenzen hinaus bekannt. Wir möchten Ihnen gerne das genussvolle Brauchtum näher bringen und Ihnen kurz aufzeigen, was üblich ist und warum man das zur Rauhnachtszeit genießt.


 Das Allerheiligenspitzl

...ist ein geflochtener Hefezopf, der aus Eiern, Mehl, Hefe, Fett, Rosinen und Milch, Salz besteht. Oft wird er mit Zucker- Rumguss bestrichen, manches mal auch mit Zucker bestreut. Je nach Region nennt man das Gebäckstück, welches in Scheiben geschnitten und mit frischer Butter bestrichen wird, auch gerne mal Heiligenstriezel, Allerseelenzopf, Seelenbrot oder Seelenwecken.

Die Rauhnachtsnudel

Die Rauhnachtsnudel ist ein Hefegebäck, welches in kleinen Kugeln aneinandergereiht in einer Auflaufform gebacken wird. Je nach Region wird Dörrobst in die Mitte einer jeden Kugel gesteckt; bestrichen mit Zuckerguß oder auch Puderzucker genießt man sie gerne vor allem im Berchtesgadener Raum.

Die Hirgstmilchsupp´n

auch Herbstmilch oder Herbstsuppe genannt, isst man sehr gerne im bayerischen Wald. Zusammen mit Salzkartoffeln oder auch einer Scheibe trockenen Brot, schmeckt die Suppe aus gestockter Milch wunderbar. Bekannt ist sie auch in Österreich oft als saure Milchsuppe, der man viele gute Eigenschaften nachsagt. Seit jeher gilt sie als das Essen armer Leute.

Das Ankreuzeln des Brotes

Vielerorts von den Eltern übernommen, kreuzt man auch heute noch den frischen Laib Brot vor dem ersten Anschnitt an und spricht dabei die Worte: "der Herr segne diese Gabe und alle die davon speisen".

Man kreuzt dabei je nach Region das Brot einmal oder auch dreimal auf der Unterseite an.


Weihnachtsbäckerei

Heutzutage sind Mehl, Zucker, Eier, Gewürze überall zu Dumpingpreise erhältlich. Doch das war nicht immer so. Früher waren gerade Zucker und Gewürze nahezu unerschwinglich für das einfache Volk.

Deshalb wurden damals von wohlhabenden Klöstern zur Weihnachtszeit kleine köstliche Platzerl gebacken, welche unter das Volk verteilt wurden.


Schoko-Nikolaus

Wer heute in den Regalen der Supermärkte nach einem echten Nikolaus Ausschau hält, der blickt oft nur in die Augen von Weihnachtsmännern. Glück hat hingegen der, welcher noch in echten Konfisserien nach dem selbigen schaut. Denn dort findet man den Nikolaus noch: mit Mitra, Bischofsstab und Ring verziert.

Süßes galt bis spät in die Nachkriegszeit für viele Menschen als Besonderheit.Meine Mutter erzählt heute noch gerührt von ihrem ersten Schokonikolaus, der mit Bedacht immer nur vorsichtig angeknappert wurde, damit er möglichst lange hält. Einst war der Nikolaus sogar aus Zucker.

Das Lebkuchenhaus

Wir alle kennen das Märchen von Hänsel + Gretl. Warum es das Lebkuchenhaus in die Weihnachtszeit geschafft hat- man kann es nur erahnen. Es hat jedoch keinen alten Charakter, sondern vielmehr ist es einfach ein liebgewonnenes Ritual geworden, selbst ein Haus aus süßen Lebkuchen zu basteln. Ein Haus, dass stets zu schade zum Essen ist.

Lebkuchen gibt es übrigens in aller Welt. Geprägt wurde das Wort Lebkuchen übrigens bereits im 13. Jahrhundert.

Weihnachtsdekoration

Warum putzen wir eigentlich unsere Häuser an Weihnachten so heraus? Warum schmücken wir den Weihnachtsbaum? kein fest beeinflusst uns so sehr wie Weihnachten. Zurück geht all das dabei auf den heidnischen Brauch der Baum Ehrung. Denn bereits zu frühen Zeiten galten immergrüne Pflanzen als Zeichen von Fruchtbarkeit und Lebenskraft. Bereits unsere Kelten und Germanen haben deshalb zum Festtag der Wintersonnenwende frische Zweige an Höhlen, Häusern und Gedenkstätten platziert. Naja und wir machen das halt auch, nur etwas moderner und konsumreicher.

Weihnachtskarpfen

Vielerorts ist der Karpfen  ein traditionelles Gericht, dass in den Familien entweder am Hl. Abend oder an Silvester serviert wird. Hebt man die Schuppen des Karpfen auf, soll dies dem alten Glauben nach Glück im neuen Jahr bringen. Fragt mich nicht, ich bin Vegetarier

Die Martinigans

Gerne wird an Weihnachten oder aber auch bereits Anfang November eine Martinigans zubereitet. Ein Gänsebraten, der vermutlich an eine Zeit erinnert, in welcher man der seinerzeit üblichen Lehnspflicht nachkam. Eine Art Steuer, Abgeltung welche nicht selten in Naturalien gezahlt wurde.

Würstchen + Erpflsalat

Würstchen und Kartoffelsalat. Oder auch  Bratwürstl, gekocht in einem sauren Zwiebelsud- an Weihnachten ist das der Klassiker schlechthin.Vielleicht einst aus praktischen Gründen gewählt, hat das Gericht heute schonen einen Kultstatus.