RAUHNACHT.BAYERN
Die Rauhnachtszeit -bayrisches Brauchtum und Tradition

Walpurgisnacht

Buchautor und Heimatforscher Sepp Probst erzählt von der  Walpurgisnacht – Rauhnacht – Freinacht

In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai ist die Walpurgisnacht; diese wurde im Bayerischen Wald als eine Rauhnacht bezeichnet. In dieser Nacht, so heißt es, sollen die Hexen ihren höchsten Festtag haben und ihren Hexensabbat feiern. Dies war meistens am höchsten Ort in der jeweiligen Gegend. Im Bayerischen Wald war der Arber verrufen, dass in dieser Nacht die Hexen sich dort trafen, zusammen feierten und tanzten. Dieser Glaube war so groß, dass die einheimischen Waidler den Arbergipfel bis weit ins 19. Jahrhundert mieden. Die Waidler glaubten, dass in dieser Nacht die Hexen mit ihren Besen durch die Lüfte flogen und schauten, ob sie einen Menschen, der sich nach dem Abendläuten im Freien rumtrieb, erwischen und martern könnten. Die Hexen flogen aus allen Dörfern des Bayerischen Waldes zum Arber, wo sie sich mit der mächtigsten Hexe, ihrer Herrin, der Arberhexe, trafen.

Die Kelten feierten in dieser Nacht das Fest Beltane, das den Beginn des Sommerhalbjahres symbolisierte. Beltane wird auch mit „helles Feuer“ übersetzt, was sich bis heute in den Maifeuern mancherorts überliefert hat. Der Arber soll früher für die Kelten ein heiliger Berg gewesen sein, wo angeblich die dreifaltige Göttin ihren Wohnsitz hatte. Die Kelten, die schon lange vor Christi Geburt im Donauraum angesiedelt waren, wallfahrteten von dort durch den Bayerischen Wald zum Arber. Eine markante Stelle, zwischen Hochzell und Arber, heißt „steinernes Tor“. Die Sage erzählt uns, dass wer durch diese Felsschlucht geht, ewig leben soll. Das soll heißen, wer durch dieses Tor zum heiligen Berg wallfahrtet, lebt ewig, da er für sein Seelenheil diese gefährliche Wallfahrt auf sich genommen hat. Im Nordwald waren damals noch wilde, für den Menschen gefährliche Tiere heimisch, auch verbannte und ausgestoßene Menschen lebten sicher hier versteckt, so dass diese Reise zum Arber nicht ungefährlich war. Als dann die Missionare in den Nordwald kamen, gefiel ihnen dieser heidnische Wallfahrtsort gar nicht, so machten sie aus der dreifaltigen Göttin die Arberhexe, vor der sich die Menschen in Acht nehmen sollen, und besonders dann, wenn die keltischen Feste gefeiert wurden, wie Beltane.