RAUHNACHT.BAYERN
Die Rauhnachtszeit -bayrisches Brauchtum und Tradition

Die Kälte der Neujahrsnacht

Buchautor und Heimatforscher Sepp Probst erzählt:

Der Ammersee von ARTsbyXD

Die Neujahrsnacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar gilt im Bayerischen Wald als eine der großen Rauhnächte. Hier versuchen die bösen Geister und Dämonen Unheil zu säen, das im neuen Jahr aufgehen soll. Um sicherzustellen, dass diese bösen Wesen kein Unheil anrichten können, wurde schon seit langer Zeit auf das neue Jahr angeschossen. Früher waren es die Böllerschützen, die einen Salut auf das neue Jahr schossen. Mit dem lauten Knallen der Böllerkanonen wollte man alle Geister und Dämonen vertreiben, die bekanntlicherweise keinen Lärm mögen. So konnte man sicher sein, dass das neue Jahr gut beginnen konnte.

Heutzutage ist das Anschießen mit den Böllervereinen abgekommen, dafür das Silvesterfeuerwerk entstanden. Sehr viele Menschen machen sich einen Spaß daraus, zu Beginn des neuen Jahres Böller und Raketen abzufeuern, ohne den eigentlichen uralten Sinn dahinter zu wissen und zu verstehen.

Die Neujahrsnacht oder auch Silvesternacht genannt ist auch eine gute Losnacht, wo man mit bestimmten Ritualen in die Zukunft schauen konnte. Ein Ritual ist uns heute noch bekannt, das Bleigießen. Man erwärmt das Blei mit einem Löffel über einer Kerze und gießt dann das flüssige Metall in kaltes Wasser, wo es sofort eine feste Struktur annimmt. Je nachdem, welche Form nun das Blei im Wasser angenommen hat, kann man die Zukunft deuten.

Ein weiteres Orakel in der Silvesternacht ist, wenn man eine Bibel in die Hand nimmt und diese wahllos öffnet, indem man seinen Daumen seitlich reinsteckt. Dann macht man die Augen zu und fährt mit dem Zeigefinger von oben nach unten die Zeilen ab. Wo man nun glaubt den Finger ruhen zu lassen, diese Textzeile soll Aufschluss über das kommende Jahr geben.