RAUHNACHT.BAYERN
Die Rauhnachtszeit -bayrisches Brauchtum und Tradition

Die Zwölfernächt, die Losnächte - unsere Rauhnachtszeit

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Rauhnächte sind entgegen dem allgemeinen Wissen über das ganze Jahr verteilt. Nur wenige wissen davon, aber auch im Sommer gibt es die sogenannten Losnächte. Die meisten Jedoch sind im Winterhalbjahr. Wenn die Tage kürzer werden, die Nächte scheinbar nicht enden wollen und man sich nach Tageslicht sehnt, dann ist die Zeit der meisten Rauhnächte. Die Monate, welche man klassischerweise als Rauhnachtszeit bezeichnet. Die Wochen, in der nach altem Volksglauben, das Geisterreich offen steht, die Wilden und Ruhelosen auf Erden verweilen. Es sind die Tage von Dämonen und elementaren Spukgestalten, die über das Schicksal der Menschheit bestimmen. Albgeister erwachen, die Seelen der Verstorben kommen zurück, die Nebenbruad treibt ihr Unwesen. Auch der Geisterhund und die weiße Frau wandeln umher. Um die Rauhnächte ranken sich zahllose Mythen, Geschichten und besondere Legenden. Je nach Region gibts unzählige einzelne Überlieferungen. Von Generation zu Generation weiter gegeben.

Eines jedoch ist sicher – die wichtigsten Rauhnächte sind die „Zwölfernächte“. Die Nächte zwischen dem 1. Weihnachtstag am 25. Dezember und dem Dreikönigstag am 6. Januar. Sechs Nächte im alten Jahr und sechs Nächte im neuen Jahr. Die Tage zwischen dem Jahr gelten als „Niemandszeit“. Diese Zeit gehört den dunklen Mächten, den Seelen der Verstorbenen, den Hexen und Druden, der Wilden Jagd die durch die Lüfte braust und zerstörerischen unvorstellbaren Kräften. Wesen aus der anderen Welt, dürfen sich unter die Lebenden mischen.

Wehe dem, der an diesen Schicksalsmächten rührt, der ist ihnen unwiederbringlich verfallen, wer jedoch mit ihnen umzugehen versteht, dem eröffnet sich ein kleines Fenster für zukünftiges. Rauhnächte werden daher auch als Schicksalsnächte oder Losnächte, von heraus lesen für Zukünftiges bezeichnet. Einerseits lässt sich die Zukunft des Wetters oder der Ernte erspüren, andererseits erfährt man auch einiges über das eigene Schicksalslos. So soll das, was man in den Zwölfernächten träumt, in Erfüllung gehen. Diese zwölf gefährlichen Tage und vor allem die rauhen dunklen Nächte, konnten nur durch Fasten und Beten schadlos überstanden werden. Frauen und Kinder sollen nach Einbruch der Dunkelheit nicht alleine draußen unterwegs sein. Keine Unordnung im Haus darf sein und die Wäsche muss über Nacht von der Leine genommen werden. „Sad´s stad Kinder“, so haben es die Alten jeher gesagt. Stille auf der einen Seite, um die Geister und Dämonen nicht anzulocken. Andererseits, schaurige furchteinflößende Masken und Fratzen, höllischer Lärm und wildes Getöse, um die Unholde zu vertreiben.

Autor: Gerhard Besenhard von Juratours Erlebniswanderungen